Trennung von Wegen positiv erleben.
Eine Nachricht
Am 6.04.09 erreichte uns diese Mail:
Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
ich befinde mich derzeit in der Krise, weil sich meine Frau von mir getrennt hat.
Da ist die Rede vom Los-Lassen-Können, um diesen fragwürdigen und entwürdigenden Zustand zu akzeptieren. Eine Trennung ist doch kein Gott gegebener Schicksalsschlag - wie etwa der Tod eines Menschen.
Vielmehr befindet ein Partner, die Beziehung zu beenden. Dabei versteigen sich die Therapeuten zu der These, dass der verlassende Partner dazu ein Recht habe.
Wenn von Recht gesprochen wird, muss auch der Begriff Schuld Eingang finden. Es ist aber hanebüchen, wenn demjenigen, der sich durch einen Seitensprung schuldig gemacht hat, auch noch das Recht \"zur Freiheit\" eingeräumt wird.
Ich kann nicht begreifen, dass hier ein Vergleich mit dem \"Strom des Lebens\" angestellt wird. Warum soll ich einfach los-lassen, welchen Sinn macht das?
Dem Menschen, der verlassen wird, kann nicht vermittelt werden, dass er dadurch einen Reifeprozess durchmachen muss und so geheilt wird. Das wirkt wie Hohn: Das hört sich an, als würde die Ehe einem Wandel unterzogen werden, den man nicht steuern kann. Mit anderen Worten: Wer Pech hat, gehört eben zu denjenigen, deren Ehe geschieden wird. \"Da müssen Sie halt durch\", lautet der fragwürdige Kommentar der Psychologen. Damit der verlassende Partner seinen Weg der \"Befreiung\", der Selbstfindung und seine wahre Fähigkeiten entdecken kann, muss der Zurückbleibende leiden. Ihm soll dann ernsthaft vermittelt werden, dass dies eine Chance für ihn bedeutet, eine Chance für einen Neubeginn. Ein Neubeginn, der wie ein Hohn klingt.
Am 8.4.09 diese Ergänzung
In der psychologischen Fachliteratur wird immer wieder der unleidliche Versuch unternommen, die Trennung von einem Partner mit dem Trauerprozess beim Tod eines Partners gleichzusetzen. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede:
Zum einen ist der Tod eines Menschen ein irreparabler Vorgang: Der geliebte Mensch ist nicht mehr erreichbar, auch wenn man diesem \"noch dieses oder jenes \" sagen wollte. Hier hilft nur noch der \"postmortale Dialog\". Indem man/frau das alles im Tagebuch niederschreibt, kann ein Heilungsprozess eingeleitet werden. Der Hinterbliebene kann sich aber gleichzeitig des uneingeschränkten Trostes der Angehörigen, Freunde, der Kollegen sicher sein. Eine Trauerprozess, der in die Tiefe geht. Ein Trauerprozess, bei dem zugegebenermaßen bei der Aufarbeitung auch manches \"nicht so schönes\" Ereignis im Zusammenleben der Partnerschaft \"geschönt\" werden kann. Aber angesichts des Todes werden letzten Endes die positiven Momente überwiegen.
Wenn der Partner aber geht, ist der Schmerz ungleich größer. Durch die keineswegs schicksalsbedingte Entscheidung des verlassenden Partners, steht der Verlassene - gedemütigt, gekränkt, verletzt und entwertet - im Alltag. Er muss mit der Situation gerecht werden. Therapeutisch kann er kaum auf Hilfe hoffen, den er hat stattdessen dem Wunsch seines Expartners zu entsprechen. Während dieser von seinem Therapeuten die Empfehlung erhält, \"den WEg zu gehen, der ihm gut tut\", muss der Verlassene mit dieser \"Scheiss-Situation\" alleine zurecht kommen.
Ein weiterer Unterschied zwischen dem Tod und dem Verlust eines Partners. Der Expartner lebt weiter, eine Kommunikation ist jederzeit möglich (ob sie sinnvoll, ist eine andere Frage), zugleich ist dadurch aber auch gewährleistet, dass die beiden innerhalb der Trennungsphase , die eigentlich zur Sinnfindung und Selbsterfahrung und nicht zum Experimentieren mit neuen (Sex)-Partnern dienen sollte, wieder zusammenfinden können.
Ein wesentlicher Unterschied ist aber das bei einer Trennung fehlende christliche Ritual: Wer sich entschließt, Gottes Segen bei der Trauung zu erbitten, die Kinder in der Kirche taufen lässt und im etwaigen Todesfall seines Partners einem angemessenen Ritual beipflichtet, kann nicht so tun, als ob die Trennung vom Partner eine \"rein persönliche Angelegenheit\" ist. Ich habe leider noch keinen einzigen Therapeuten kennen gelernt, der auf diese Problematik eingeht. Das ist traurig. Ich habe meinen Pfarrer mit diesem Problem konfrontiert: Er fand es zwar ungewöhnlich, verstand aber meine Botschaft. Es sollte möglich sein, die Partner, die eine Ehe vor Gott geschlossen haben, auch nach einem würdigen Ritual zu trennen. Für mich ist dies ein ganz gewaltiger Einschnitt, der mein Leben total verwendet . Auch mein Parnter sollte sich dessen bewusst sein-- Keineswegs im Sinne einer Abstrafung. Ich denke aber, dass man im Angesicht Gottes die gemeinsam gesprochenen Worte als ein heilsames Ritual für beide betrachten sollte.
Warum sollte dieses Ritual den Angehörigen, der trauernden Gemeinde erspart bleiben?
Die christliche Wertung: Zwei Menschen, die füreinander bestimmt waren, deren Wege sich nun aber nun -- aufgrund der Entscheidung eines Einzlnen- trennen - ? Die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Ehe wäre durch ein Gebet möglich.
Der Tod ist etwas Endgültiges - die Trennung aber nicht (auch wenn dies in der Fachliteratur leider überhaupt nicht berücksichttigt wird?
Es wäre schön, wenn sich hierzu sowohl Fachleute als auch Betroffene dazu äußern würden.
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Kommentar
Als \"Täter\" und als \"Opfer\" kann ich Ihre gewisse Ratlosigkeit verstehen. Aber das, was wir unter \"Liebe\" verstehen usw kann man nicht einklagen. Weder mit Gott noch dem Teufel. Denn die \"Liebe\" ist auch eine andere Form der \"Anarchie\"...
Oder um es mit Pascal zu sagen: Das Herz hat seine Vernunft, die der Verstand nicht kennt
Kommentar
Sie schreiben:
"Ein wesentlicher Unterschied ist aber das bei einer Trennung fehlende christliche Ritual: Wer sich entschließt, Gottes Segen bei der Trauung zu erbitten, die Kinder in der Kirche taufen lässt und im etwaigen Todesfall seines Partners einem angemessenen Ritual beipflichtet, kann nicht so tun, als ob die Trennung vom Partner eine \"rein persönliche Angelegenheit\" ist."
und
"Warum sollte dieses Ritual den Angehörigen, der trauernden Gemeinde erspart bleiben?
Die christliche Wertung: Zwei Menschen, die füreinander bestimmt waren, deren Wege sich nun aber nun -- aufgrund der Entscheidung eines Einzelnen- trennen - ? Die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Ehe wäre durch ein Gebet möglich. "
Meine Frage an Sie: Beim Eheversprechen geben sich beide Partner das Jawort.
Wie sollte dieses öffentliche Ritual den aussehen.
Der Pfarrer fragt: "Sie sind entschlossen sich zu trennen, dann antworten Sie mit Ja"
Würden Sie mit Ja antworten, können?
Was wäre, wenn einer der Partner mit "Nein" antworten würde.
Würde dann aus dem "Trennungsritual" nicht ein Tribunal werden?
Vielleicht ist dies die Antwort auf Ihre Frage.
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