Was die Menschen vordergründig interessierte, reizte ihn nie. Dieses fertige Bild von der Welt, möglichst im Hochglanzformat, langweilte ihn. Deshalb kehrte er seine Wahrnehmungen ganz einfach um: Was andere Menschen für wichtig hielten, wurde für ihn plötzlich völlig belanglos. Und dort, wo der Mittelpunkt der Welt sein sollte, war für ihn allenfalls die Peripherie. Und oft dachte er, wenn ich mich selber porträtieren müsste, stellte ich einen Menschen dar, der aus seinem Bilderrahmen entfliehen möchte. Nur ein kleiner Sprung über die Seitenbegrenzung hinweg und schon wäre ich verschwunden. Oder ich würde mich auf dem unteren Bildrand abstützen, unentschlossen, ob ich noch einmal ins Bild zurückkehren sollte oder nicht. Wer mir aber in die Augen sah, musste erstaunt sein, dass es mich überhaupt noch gab. Natürlich wird mich ein Geheimnis umwehen, dachte der Mann. Denn ich bin alters los. Ich habe die fröhlichen Augen eines Kindes und das zynische Gesicht eines gealterten Mannes. Dabei bin ich mir meiner Chuzpe durchaus sicher, auch wenn ich noch immer auf der Suche bin. Im Übrigen fühle ich mich wie ein Nomade. Denn auch ich weiß, dass ich nichts festhalten kann. Und doch besitze ich alles, was ich im Leben brauche. Ich habe also nicht das Bedürfnis den Rahmen so auszufüllen wie meine Vorfahren.
Über mich: Dr. Mathias Knoll. Lebe als Hausarzt im Sauerland. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. FAZ, Neue Züricher Zeitung, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt etc.
Betreibe gemeinsam mit Gerd Pater und Günter Preikschas das Kulturportal http://www.medeasy.de .
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